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Gedanken zum Monatsspruch April 2010

 


Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens,
damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr
von ihm berufen seid.
( Epheser 1,18 )

Am frühen Morgen des Ostersonntags kommen die Frauen in den Garten, in dem das Felsengrab von Jesus liegt. Voller Erstaunen stellen sie fest, dass der schwere Stein vor der Grabhöhle zur Seite gewälzt wurde und das Grab leer ist. Kein Gedanke an eine Auferstehung. Durch die Karfreitagsbrille sehen die Frauen nur den toten Jesus. Die einzige Erklärung: Irgendjemand hat den Leichnam des toten Jesus weggenommen.
Zwei Wanderer sind unterwegs. Sie gehören auch zu den Freunden von Jesus. Der Auferstandene trifft sie und begleitet sie auf dem langen Weg von Jerusalem nach Emmaus. Aber die beiden haben ihre Karfreitagsbrille auf. Ihnen fehlt jeder blasse Schimmer davon, wer das sein könnte, der mit ihnen unterwegs ist.

Es gibt zweierlei Arten von Augen: Die Augen des Leibes, die sehen, was um uns herum passiert, sehen die sichtbare Wirklichkeit. Und die Augen des Herzens sehen die unsichtbare Wirklichkeit. Die beiden Augen unseres Leibes sind wunderbare Organe. Wer seine Sehkraft verliert, muss auf sehr viel verzichten. Wer die Farben der nun bald wieder blühenden Tulpen, Narzissen, Rosen und anderen Blumen in unseren Gärten oder die Buchstaben der Bibel nicht lesen kann, ist schwer behindert.
Wer aber das große Ziel seines Lebens mit den Augen des Herzens nicht sehen kann, der ist verloren, der irrt durch sein Leben und endet im Verderben. Das kann sogar Gemeindemitgliedern passieren. Paulus schreibt zumindest an die Mitglieder der Gemeinde in Ephesus:
„Ich bete dafür, dass Gott euch das innere Auge, die Augen des Herzens öffnet.“

Es kann also sein, dass man Sonntag für Sonntag zum Gottesdienst kommt, sich regelmäßig an den Zusammenkünften der Gemeinde beteiligt, das Wort Gottes kennt und trotzdem geschlossene Augen des Herzens hat. Dann kann man über das Christsein mitreden, man kann die richtigen Dinge tun oder sogar ein theologisches Examen bestehen - aber das Herz ist blind und hat noch nicht gesehen, „zu welchem großartigen Ziel Gott ihn berufen hat.“

In Ephesus muss es einige dieser Herzensblinden gegeben haben. Paulus schreibt: „Gott öffne e u c h das innere Auge“. Vielleicht war sogar die ganze Gemeinde blind für die Zukunft. Sie war erlöst von der Vergangenheit. Ihre Sünden waren vergeben. Sie waren wieder mit Gott verbunden. Ihr Alltag wurde bestimmt von dem, was ein Christ tut und was er sein lässt. Aber wenn sie die Zukunft sehen wollten, dann blieben die Augen des Herzens dunkel. Sie hatten vom Himmel gehört, sie kannten die Worte der Zusagen Gottes, man hatte ihnen von dem Wunder aller Wunder, der Auferstehung Christi von den Toten erzählt - aber vorstellen konnten sie sich das alles nicht.
Sie hatten Augen im Kopf und sahen dennoch das Schönste und Größte und Wunderbarste nicht. Sie sahen die Geschenke nicht, die Gott schon für ihre Zukunft bereit gelegt hatte. Sie sahen die Herrlichkeit der Himmel nicht. Sie sahen die überwältigende Kraft Gottes nicht. Letztlich waren sie bedauernswert. Darum betet Paulus für die Epheser: „Gott öffne euch die Augen des Herzens. Gott lasse euch erkennen, begreifen, einsehen.“

Könnte es sein, dass es auch in Lauterbach, Niederlauterstein und Rittersberg Menschen, ja sogar Christen gibt, deren innere Augen blind sind, wieder blind wurden?
- Ja, das kann sein. Das ist sogar sehr wahrscheinlich. Denn einigen fehlt die Begeisterung. Sie sehen nicht mehr den Reichtum, mit dem Gott sie beschenken will. Andere laufen nicht mehr mit. Sie haben das großartige Ziel des Lebens aus den Augen verloren. Und wieder andere fühlen sich müde und schlapp, weil sie sich gegen die gewaltige Kraft Gottes stemmen.

Mit den Augen des Herzens siehst du die überwältigende Kraft Gottes. Mit ihr hat er Jesus aus dem Tod auferweckt. Mit derselben Kraft wirkt er an dir. Du siehst, wie Gott für dich arbeitet.
Das lässt dich aufatmen. Du gehst zuversichtlich an deine Arbeit und tust, was Gott dir aufträgt.

Merken wir, wie wichtig geöffnete Augen des Herzens für unser Christsein, für unseren Glauben sind? Sie sehen auf Gott und was er hat und was er will und was er kann und was er tut. Mit sehenden Augen des Herzens kommt Begeisterung in unseren Sonntag und Alltag. Mit sehenden Augen des Herzens kommt Bewegung in unser Leben und wir laufen wieder auf das Ziel zu. Mit sehenden Augen des Herzens kommt Kraft in Leib, Seele und Geist und die Müdigkeit verfliegt.

Wenn der Herr jetzt den Vorhang zur unsichtbaren Welt ganz und gar wegziehen würde, würden wir nur so staunen. Wir würden eine vielfältige Welt von Gestalten, von Engeln und Mächten um uns herum sehen. Wir würden Jesus selbst sehen, wie er durch die Reihen geht und einzelne von uns berührt und sie anspricht. An Ostern hat es begonnen, dass Menschen im großen Stil die Augen des Herzens geöffnet wurden. Den Frauen begegnete ein Engel und sagte ihnen: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden“ (Mt. 28,5f)

Maria Magdalena wurde von Jesus angesprochen, da erkannte sie auf einmal den Meister. Der geheimnisvolle Wanderer aß mit den zwei Freunden zu Abend. Da übernahm er die Rolle des Hausherrn und brach das Brot. In dem Augenblick erkannten sie ihn.

Sehende Augen des Herzens wünsche ich von Herzen uns allen und ein frohes und gesegnetes Osterfest an dem wir die Unvorstellbare Kraft Gottes erleben und dieses weltverändernde Ereignis für uns persönlich begreifen.

Euer Pfarrer Bernhard Fuß
zugleich im Namen der Kirchvorsteher und Mitarbeiter



 ©  Kirchgemeinde Lauterbach im Erzgebirge

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