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Gott gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid.
( Epheser 1,18 ) |
Am
frühen Morgen des Ostersonntags kommen die Frauen in den Garten, in dem
das Felsengrab von Jesus liegt. Voller Erstaunen stellen sie fest, dass
der schwere Stein vor der Grabhöhle zur Seite gewälzt wurde und das
Grab leer ist. Kein Gedanke an eine Auferstehung. Durch die
Karfreitagsbrille sehen die Frauen nur den toten Jesus. Die einzige
Erklärung: Irgendjemand hat den Leichnam des toten Jesus weggenommen.
Zwei
Wanderer sind unterwegs. Sie gehören auch zu den Freunden von Jesus.
Der Auferstandene trifft sie und begleitet sie auf dem langen Weg von
Jerusalem nach Emmaus. Aber die beiden haben ihre Karfreitagsbrille
auf. Ihnen fehlt jeder blasse Schimmer davon, wer das sein könnte, der
mit ihnen unterwegs ist.
Es gibt zweierlei Arten von Augen:

Die Augen des Leibes, die sehen, was um uns herum passiert, sehen die
sichtbare Wirklichkeit. Und die Augen des Herzens sehen die unsichtbare
Wirklichkeit. Die beiden Augen unseres Leibes sind wunderbare Organe.
Wer seine Sehkraft verliert, muss auf sehr viel verzichten. Wer die
Farben der nun bald wieder blühenden Tulpen, Narzissen, Rosen und
anderen Blumen in unseren Gärten oder die Buchstaben der Bibel nicht
lesen kann, ist schwer behindert.
Wer aber das große Ziel seines
Lebens mit den Augen des Herzens nicht sehen kann, der ist verloren,
der irrt durch sein Leben und endet im Verderben. Das kann sogar
Gemeindemitgliedern passieren. Paulus schreibt zumindest an die
Mitglieder der Gemeinde in Ephesus:
„Ich bete dafür, dass Gott euch das innere Auge, die Augen des Herzens öffnet.“
Es
kann also sein, dass man Sonntag für Sonntag zum Gottesdienst kommt,
sich regelmäßig an den Zusammenkünften der Gemeinde beteiligt, das Wort
Gottes kennt und trotzdem geschlossene Augen des Herzens hat. Dann kann
man über das Christsein mitreden, man kann die richtigen Dinge tun oder
sogar ein theologisches Examen bestehen - aber das Herz ist blind und
hat noch nicht gesehen, „zu welchem großartigen Ziel Gott ihn berufen
hat.“
In Ephesus muss es einige dieser Herzensblinden gegeben
haben. Paulus schreibt: „Gott öffne e u c h das innere Auge“.
Vielleicht war sogar die ganze Gemeinde blind für die Zukunft. Sie war
erlöst von der Vergangenheit. Ihre Sünden waren vergeben. Sie waren
wieder mit Gott verbunden. Ihr Alltag wurde bestimmt von dem, was ein
Christ tut und was er sein lässt. Aber wenn sie die Zukunft sehen
wollten, dann blieben die Augen des Herzens dunkel. Sie hatten vom
Himmel gehört, sie kannten die Worte der Zusagen Gottes, man hatte
ihnen von dem Wunder aller Wunder, der Auferstehung Christi von den
Toten erzählt - aber vorstellen konnten sie sich das alles nicht.
Sie
hatten Augen im Kopf und sahen dennoch das Schönste und Größte und
Wunderbarste nicht. Sie sahen die Geschenke nicht, die Gott schon für
ihre Zukunft bereit gelegt hatte. Sie sahen die Herrlichkeit der Himmel
nicht. Sie sahen die überwältigende Kraft Gottes nicht. Letztlich waren
sie bedauernswert. Darum betet Paulus für die Epheser: „Gott öffne euch
die Augen des Herzens. Gott lasse euch erkennen, begreifen, einsehen.“
Könnte
es sein, dass es auch in Lauterbach, Niederlauterstein und Rittersberg
Menschen, ja sogar Christen gibt, deren innere Augen blind sind, wieder
blind wurden?
- Ja, das kann sein. Das ist sogar sehr
wahrscheinlich. Denn einigen fehlt die Begeisterung. Sie sehen nicht
mehr den Reichtum, mit dem Gott sie beschenken will. Andere laufen
nicht mehr mit. Sie haben das großartige Ziel des Lebens aus den Augen
verloren. Und wieder andere fühlen sich müde und schlapp, weil sie sich
gegen die gewaltige Kraft Gottes stemmen.
Mit den Augen des
Herzens siehst du die überwältigende Kraft Gottes. Mit ihr hat er Jesus
aus dem Tod auferweckt. Mit derselben Kraft wirkt er an dir. Du siehst,
wie Gott für dich arbeitet.
Das lässt dich aufatmen. Du gehst zuversichtlich an deine Arbeit und tust, was Gott dir aufträgt.
Merken
wir, wie wichtig geöffnete Augen des Herzens für unser Christsein, für
unseren Glauben sind? Sie sehen auf Gott und was er hat und was er will
und was er kann und was er tut. Mit sehenden Augen des Herzens kommt
Begeisterung in unseren Sonntag und Alltag. Mit sehenden Augen des
Herzens kommt Bewegung in unser Leben und wir laufen wieder auf das
Ziel zu. Mit sehenden Augen des Herzens kommt Kraft in Leib, Seele und
Geist und die Müdigkeit verfliegt.
Wenn der Herr jetzt den
Vorhang zur unsichtbaren Welt ganz und gar wegziehen würde, würden wir
nur so staunen. Wir würden eine vielfältige Welt von Gestalten, von
Engeln und Mächten um uns herum sehen. Wir würden Jesus selbst sehen,
wie er durch die Reihen geht und einzelne von uns berührt und sie
anspricht. An Ostern hat es begonnen, dass Menschen im großen Stil die
Augen des Herzens geöffnet wurden. Den Frauen begegnete ein Engel und
sagte ihnen: „Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den
Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden“ (Mt. 28,5f)
Maria
Magdalena wurde von Jesus angesprochen, da erkannte sie auf einmal den
Meister. Der geheimnisvolle Wanderer aß mit den zwei Freunden zu Abend.
Da übernahm er die Rolle des Hausherrn und brach das Brot. In dem
Augenblick erkannten sie ihn.
Sehende Augen des Herzens wünsche
ich von Herzen uns allen und ein frohes und gesegnetes Osterfest an dem
wir die Unvorstellbare Kraft Gottes erleben und dieses weltverändernde
Ereignis für uns persönlich begreifen.
Euer Pfarrer Bernhard Fuß
zugleich im Namen der Kirchvorsteher und Mitarbeiter
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Kirchgemeinde Lauterbach im Erzgebirge | 
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