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Monatsspruch April 2011

Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!
(Matth. 26,41)


Na toll! „Wacht und Betet! Und das nach der soundsovielten mehr oder weniger schlecht durchschlafenen Nacht!

Beten, klar, das  gehört dazu. Am liebsten vor dem Schlafengehen.
Aber Wachen?
Das ja nun gerade nicht! Reicht es nicht, dass ich mir tagsüber Mühe gebe, ein rechtschaffener Mensch zu sein und nachts meinen wohlverdienten Schlaf suche? - Offensichtlich nicht.

Jesus sagt den Satz zu seinen Jüngern – kurz bevor er gefangen genommen wird; kurz bevor sie ihn alle im Stich lassen; mitten in seinem inneren Kampf angesichts seines Leidensweges.
Und jetzt ist er allein, seine Jünger sind in der Nähe, aber können nicht wach  bleiben. Und jetzt hat er Angst. Und er sagt: Vater, ich will nicht sterben. Wenn es irgendwie sein kann, dann bitte, laß mich nicht sterben. Ich will nicht. Aber nicht mein Wille geschehe, sondern dein Wille.

Jesus kennt die Angst. Er kennt die Freude am Leben. Er will nicht sterben. Aber er weiß, daß es zu Gottes Plan gehört:  Er weiß es, und er ist damit einverstanden. Aber er tut es nicht gerne.  Das heißt: der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach, wie Jesus in unserem Vers anschließend weiter spricht..

Das haben auch die Jünger erlebt, die im Gebet immer wieder einschlafen:
Sie gehören zu Jesus, sie haben so viel mit ihm erlebt in den letzten Jahren. Sie haben gesehen, wie mächtig er ist, wie er Dämonen austreibt, wie er Kranke heilt, wie ihm die ganze Natur gehorcht. Und jetzt hat er ihnen gesagt, daß er sterben wird. Und das können und wollen sie nicht ertragen.
Vielleicht ist es jetzt deutlich geworden: Der Unterschied zwischen Geist und Fleisch ist nicht der zwischen Wollen und Können.  Unser Fleisch kann manchmal sehr geistreich sein, angenehm, vernünftig, sogar fromm. Aber die Bibel nennt es Fleisch, weil es nicht das ist, was Gott von uns will.

Das ist auch der Fehler, wenn wir anfangen zu fasten und sagen:
Ich will es dieses Jahr schaffen, es durchzuhalten.
Ich will mich ganz auf Gott konzentrieren.
Ich will eine besonders fromme religiöse Leistung tun.
Dann wird es ein Sport, und wir tun viel für Gott. Aber wir tun es nicht mit Gott.
Und was wir nicht mit Gott tun, heißt Sünde.
So wie Petrus gesagt hat: Ich will notfalls auch mit dir sterben. Das sieht ja nach Liebe zu Jesus die, die man nur bewundern kann.
Aber es war nicht das, was Gott wollte. Und darum war es nicht Geist, sondern Fleisch.

Es ist der Schlaf des Vergessens, das einlullende „Es wird schon werden“, das Verschließen der Augen vor der Wirklichkeit, vor dem Jesus hier warnt.
Wer betet, muss auch wachen. Denn beten heißt: Gott bitten, sich ihm anvertrauen. Beten heißt: sich nicht abfinden, sondern Gott bei seinen Verheißungen packen, klagen, betteln, säuseln, loben, schreien, flüstern, singen.

Wer nicht wacht, der betet auch nicht, sondern sagt sein Sprüchlein auf.
– Und zieht sich aus der Affäre.
Manche Anfechtung liegt darin, zu viel zu wollen. Diese hier aber meint, nichts mehr zu wollen. Nichts als seine Ruhe. Nichts als nur sich selbst.

Wer aber wacht und betet, der will mehr, der will leben. Wer wacht und betet, der wird sehen, hören, fühlen, was Gott an, mit und trotz der Welt und ihrer Leiden tut: Wunderbares wie an Ostern.
Und der wird dann auch wieder in Frieden schlafen können.

In Anfechtung fallen:
Ich stelle mir einen Fechtkampf vor: Der Stärkere drängt seinen Gegner in die Ecke, er bedroht ihn, sticht mit der Waffe nach ihm. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, wann er den Kampf mit einem letzten Schlag beendet.
Und der Gegner? Ihm werden die Knie weich, der Boden unter seinen Füßen wankt.
Jesus ist angefochten, er ahnt, was auf ihn zukommt: Seine Gegner sind auf dem Weg, um ihn gefangen zu nehmen.  Er wendet sich an die Jünger. Doch er bittet sie nicht um Waffen, sondern ruft ihnen zu: „Wacht! Und betet!“ Fast klingt es wie ein Befehl.
Wie kann man es schaffen, stark zu bleiben, wenn man angefochten ist? Wenn man durch einen schweren Kampf oder ein dunkles Tal muss und das Gefühl hat, Gott habe einen vergessen? Wie gut, wenn dann andere da sind. Menschen, die bei mir bleiben, die sich nicht in die Ecke drängen lassen, sondern standhalten.
Die hellwach sind für das, was mir helfen kann. Menschen, die weiter glauben, weiter beten.
Die Rückhalt suchen bei Gott und so mich halten. Die sich von ihm stärken lassen und so mich stärken. Angefochtene hindurch tragen durch ihre Kämpfe:
Das ist eine Aufgabe der christlichen Gemeinde, auch unserer Lauterbacher Gemeinde. Standhalten, wachen und beten, den ganzen schweren Weg hindurch.

Jesus vor Augen haben und gegen allen Augenschein weiter hoffen: Am Ende steht Gott und wartet mit neuem Leben auf uns.
Dieses neue Leben wünsche ich uns allen an diesem Osterfest:
Dass wir etwas mitbekommen und unser Leben verändert wird von dieser Auferstehungskraft Jesu, die jeder erleben kann, der sich auf   Jesus einlässt und ihm gestattet sein leben in die Hand zu nehmen und zu verändern.

Im Namen unserer Kirchvorsteher und Mitarbeiter
Euer Pfr. Bernhard Fuß

 ©  Kirchgemeinde Lauterbach im Erzgebirge

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