Na toll! „Wacht und Betet! Und das nach der soundsovielten mehr oder weniger schlecht durchschlafenen Nacht!
Beten, klar, das gehört dazu. Am liebsten vor dem Schlafengehen. Aber Wachen? Das
ja nun gerade nicht! Reicht es nicht, dass ich mir tagsüber Mühe gebe,
ein rechtschaffener Mensch zu sein und nachts meinen wohlverdienten
Schlaf suche? - Offensichtlich nicht.
Jesus sagt den Satz zu
seinen Jüngern – kurz bevor er gefangen genommen wird; kurz bevor sie
ihn alle im Stich lassen; mitten in seinem inneren Kampf angesichts
seines Leidensweges. Und jetzt ist er allein, seine Jünger sind in
der Nähe, aber können nicht wach bleiben. Und jetzt hat er Angst.
Und er sagt: Vater, ich will nicht sterben. Wenn es irgendwie sein
kann, dann bitte, laß mich nicht sterben. Ich will nicht. Aber nicht
mein Wille geschehe, sondern dein Wille.
Jesus kennt die Angst.
Er kennt die Freude am Leben. Er will nicht sterben. Aber er weiß, daß
es zu Gottes Plan gehört: Er weiß es, und er ist damit
einverstanden. Aber er tut es nicht gerne. Das heißt: der Geist
ist willig, aber das Fleisch ist schwach, wie Jesus in unserem Vers
anschließend weiter spricht..
Das haben auch die Jünger erlebt, die im Gebet immer wieder einschlafen: Sie
gehören zu Jesus, sie haben so viel mit ihm erlebt in den letzten
Jahren. Sie haben gesehen, wie mächtig er ist, wie er Dämonen
austreibt, wie er Kranke heilt, wie ihm die ganze Natur gehorcht. Und
jetzt hat er ihnen gesagt, daß er sterben wird. Und das können und
wollen sie nicht ertragen. Vielleicht ist es jetzt deutlich
geworden: Der Unterschied zwischen Geist und Fleisch ist nicht der
zwischen Wollen und Können. Unser Fleisch kann manchmal sehr
geistreich sein, angenehm, vernünftig, sogar fromm. Aber die Bibel
nennt es Fleisch, weil es nicht das ist, was Gott von uns will.
Das ist auch der Fehler, wenn wir anfangen zu fasten und sagen: Ich will es dieses Jahr schaffen, es durchzuhalten. Ich will mich ganz auf Gott konzentrieren. Ich will eine besonders fromme religiöse Leistung tun. Dann wird es ein Sport, und wir tun viel für Gott. Aber wir tun es nicht mit Gott. Und was wir nicht mit Gott tun, heißt Sünde. So
wie Petrus gesagt hat: Ich will notfalls auch mit dir sterben. Das
sieht ja nach Liebe zu Jesus die, die man nur bewundern kann. Aber es war nicht das, was Gott wollte. Und darum war es nicht Geist, sondern Fleisch.
Es
ist der Schlaf des Vergessens, das einlullende „Es wird schon werden“,
das Verschließen der Augen vor der Wirklichkeit, vor dem Jesus hier
warnt. Wer betet, muss auch wachen. Denn beten heißt: Gott bitten,
sich ihm anvertrauen. Beten heißt: sich nicht abfinden, sondern Gott
bei seinen Verheißungen packen, klagen, betteln, säuseln, loben,
schreien, flüstern, singen.
Wer nicht wacht, der betet auch nicht, sondern sagt sein Sprüchlein auf. – Und zieht sich aus der Affäre. Manche
Anfechtung liegt darin, zu viel zu wollen. Diese hier aber meint,
nichts mehr zu wollen. Nichts als seine Ruhe. Nichts als nur sich
selbst.
Wer aber wacht und betet, der will mehr, der will leben.
Wer wacht und betet, der wird sehen, hören, fühlen, was Gott an, mit
und trotz der Welt und ihrer Leiden tut: Wunderbares wie an Ostern. Und der wird dann auch wieder in Frieden schlafen können.
In Anfechtung fallen: Ich
stelle mir einen Fechtkampf vor: Der Stärkere drängt seinen Gegner in
die Ecke, er bedroht ihn, sticht mit der Waffe nach ihm. Es scheint nur
noch eine Frage der Zeit, wann er den Kampf mit einem letzten Schlag
beendet. Und der Gegner? Ihm werden die Knie weich, der Boden unter seinen Füßen wankt. Jesus
ist angefochten, er ahnt, was auf ihn zukommt: Seine Gegner sind auf
dem Weg, um ihn gefangen zu nehmen. Er wendet sich an die Jünger.
Doch er bittet sie nicht um Waffen, sondern ruft ihnen zu: „Wacht! Und
betet!“ Fast klingt es wie ein Befehl. Wie kann man es schaffen,
stark zu bleiben, wenn man angefochten ist? Wenn man durch einen
schweren Kampf oder ein dunkles Tal muss und das Gefühl hat, Gott habe
einen vergessen? Wie gut, wenn dann andere da sind. Menschen, die bei
mir bleiben, die sich nicht in die Ecke drängen lassen, sondern
standhalten. Die hellwach sind für das, was mir helfen kann. Menschen, die weiter glauben, weiter beten. Die
Rückhalt suchen bei Gott und so mich halten. Die sich von ihm stärken
lassen und so mich stärken. Angefochtene hindurch tragen durch ihre
Kämpfe: Das ist eine Aufgabe der christlichen Gemeinde, auch
unserer Lauterbacher Gemeinde. Standhalten, wachen und beten, den
ganzen schweren Weg hindurch.
Jesus vor Augen haben und gegen allen Augenschein weiter hoffen: Am Ende steht Gott und wartet mit neuem Leben auf uns. Dieses neue Leben wünsche ich uns allen an diesem Osterfest: Dass
wir etwas mitbekommen und unser Leben verändert wird von dieser
Auferstehungskraft Jesu, die jeder erleben kann, der sich
auf Jesus einlässt und ihm gestattet sein leben in die Hand
zu nehmen und zu verändern.
Im Namen unserer Kirchvorsteher und Mitarbeiter Euer Pfr. Bernhard Fuß
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