Juli: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz. Matthäus 6,21
Die
schönen Dinge des Lebens sind nicht verwerflich und schlecht, aber
verglichen mit Gott und seinem Reich sind sie eigentlich kein Schatz,
denn sie sind vergänglich und damit längst nicht so wertvoll. Und darum
ist es nur folgerichtig, wenn wir unvergängliche Schätze im Himmelreich
sammeln, nicht vermeintliche „Schätze“ auf Erden, die keinen Bestand
haben. Die gute Nachricht des Evangeliums von Jesus lautet nun: Diese
unvergänglichen Schätze im Himmel brauchst du dir nicht selbst zu
erarbeiten, das kannst du auch gar nicht, dafür bist du längst nicht
gut genug. Diese unvergänglichen Schätze schenkt Gott dir durch seinen
Sohn Jesus Christus. Wenn vom Herzen gesprochen wird, wird nicht nur
Liebe oder Empfindungen, sondern die Gesamtrichtung des innersten
Wollens beansprucht. Ist Wille und Herz auf den Himmel gerichtet, so
ist es auf Gott gerichtet. Ob es nun das neue Auto, Geld,
Vergnügung, jemand von unseren Freunden oder ein besonderer Mensch ist,
den wir im Herzen tragen. Oder ob es nun Sport, Schönheitswettbewerbe,
Aktienkurse und Karriere ist. Und unser Herz braucht so etwas auch.
Dinge, die uns wichtig sind und für die wir leben können. Doch es ist
wichtig, sich zu überlegen, woran ich mein Herz hänge oder wem ich es
verschenke. Nicht Die Dinge an sich sind schlecht, sondern es kommt auf
meine Stellung zu ihnen an. „Habt als hättet ihr nicht.“ Von dem weisen
König Salomo ist der Rat überliefert: Mehr als alles (…) behüte dein
HERZ, denn ihn ihm entspringt die Quelle des Lebens ( Sprüche 4, 23). Das
Wort an die Jünger gilt auch uns heute: Erschrecken wir nicht bei
dieser Aussage, dass unser Herz fähig ist, sich an Dinge zu hängen, die
so anfällig und leicht entwendbar sind? Wir wollen uns vor dem Herrn
prüfen: Wem gehört mein Herz wirklich? Gehört es vor allem meinem Gott?
“Eifersüchtig begehrt der Heilige Geist euer ganzes Herz für Gott!”
“Die Augen des Herrn durchlaufen die ganze Erde, um denen beizustehen,
die mit ungeteiltem Herzen ihm anhangen” (Jak.4,5; 2.Chron.16,9;
vgl.1.Kön.8,61; Ps.73,25.28). Woran hänge ich mein Herz? Was ist mir
wichtig in meinem Leben? Was ist es, das mich bewegt, das, wofür ich
lebe? Mein Lebenssinn?
Ich habe einen Mann vor Augen, der
schon früh starb, bereits mit 60 Jahren. Er hatte viel gearbeitet, sich
seine Karriere aufgebaut, einen Lebensstandard, der sich sehen lassen
konnte – er hatte viel gesammelt in seinen Lebensscheunen. Immer hatte
er seine Frau vertröstet – und sich selbst wohl auch: Dann erst, wenn
ich im Ruhestand bin, dann werden wir leben, reisen, Zeit haben, viel
Zeit. Es kam anders damals, ganz anders, er starb plötzlich und sein
Tod hat die Familie ziemlich durchgerüttelt. An seinem Grab waren viele
sprachlos.
Die Dinge, die mir am Wichtigsten sind, bestimmen mein Handeln. Sie bestimmen wo mein Herz ist. Jesus
hat sein Herz bei mir, weil ich ihm wichtig bin. Er hat nicht nur sein
Herz für mich gegeben, sondern sogar sein Leben! Deshalb habe ich mich
entschieden Jesus auch etwas zu schenken. Etwas, das mir sehr wertvoll
ist. Mein Herz! Hier geht
es um sehr viel mehr als um eine Herztransplantation. Es wird nicht nur
das Herz „erneuert“, sondern der ganze Mensch. Wie oft wünschen
wir uns Menschen, ein neues Leben anfangen zu können? Mit Jesus kannst
Du es tun. Jederzeit. Wenn Jesus im Königreich meines Herzens ist, ist
das das schönste Geschenk, das ich ihm machen kann. Durch ihn werde ich
nicht nur ein neuer Mensch. Je konsequenter ich mein Herz ihm
überlasse, desto mehr werde ich nicht nur zum Segen für mein eigenes
Leben, sondern zum Segen für meine Mitmenschen.
„Wenn
Du etwas besitzt, das Du nicht weggeben kannst, besitzt Du es
nicht – sondern es besitzt Dich!“ Lass Jesus diesen Schatz sein!
August:
Jesus Christus spricht: Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Matthäus 7,7
Beten
ist Beziehungssache – und die Beziehung, von der Jesus hier spricht ist
die Beziehung zwischen einem Bettler und einem Geber.
Die drei Stichworte Bitten – Suchen – Anklopfen stellen nämlich den Weg eines äußerst hartnäckigen Bettlers dar. Stellen
wir uns einen Bettler vor, der auf der Straße einen reichen Mann
trifft. Zunächst bittet er ihn um eine Gabe. Vielleicht bekommt er
etwas, aber wenn nicht, dann wird ein echter Bettler dem Mann hinterher
rennen, er wird ihn suchen, bis er ihn wieder findet, und wenn dann
dieser Mann schnell hinter seiner Haustür verschwindet, dann lässt sich
ein wirklicher Bettler nicht entmutigen. Er klopft an und versucht es
noch einmal. Bitten, suchen, anklopfen – das würde ich jetzt wirklich
als „unverschämtes Drängen“ bezeichnen. Solch einem Bettler möchte man
am liebsten nicht begegnen, aber Jesus sagt: Genau so geht Beten! Nimm
dir einen solchen Bettler zum Vorbild. Bitte Gott immer wieder, renn
ihm nach, renn ihm die Bude ein, klopf bei ihm an. Denk nie, du willst
ja Gott nicht auf die Nerven gehen! Lass dich nicht entmutigen, denn
Betteln ist deine einzige Chance zu überleben. Denn denk dran: du bist
Bettler – du hast ja nichts, was dir echtes Leben bringt.
Alles
was wir wirklich brauchen sind Geschenke Gottes – und Gott möchte, dass
wir diese Geschenke erbetteln, denn Betteln schafft Beziehung. Natürlich könnte Gott uns auch unsere Bedürfnisse von der Seele ablesen und uns
jeden
Tag ein anonymes Paket vor die Haustür stellen, mit allen inneren und
äußeren Wohltaten, die wir so brauchen. Er weiß sowieso, was wir nötig
haben.
Ich denke, Gott möchte, dass wir Betteln, weil er den
Kontakt mit uns so liebt. Beim Sorgen und Grämen kreisen wir nur um uns
selbst und bleiben einsam. Gebetsanliegen aber schaffen den Kontakt zu
Gott und um den geht es ihm letztlich, und deswegen möchte er, dass wir
ihm hinterher rennen und ihm auf die Nerven gehen (wenn so etwas
möglich wäre) wie ein Bettler. Er freut sich, wenn wir von ihm etwas
erwarten. Vertrauen zu ihm haben.
Mir hat dieser Bibeltext in
den letzten Wochen viel Mut gemacht, immer wieder Gott auch mit den
gleichen Anliegen in den Ohren zu liegen. Was wir bekommen, haben wir
nicht in der Hand. In dem ganzen Betteln vertieft sich tatsächlich
die Beziehung zu Gott und es wächst Vertrauen, eigentlich mehr noch als
bei einem Bettler und einem Geber, nämlich viel eher noch wie zwischen
einem Kind und seinen Eltern.
Die „Volxbibel“ drückt das so aus: Beten funktioniert! 7
„Redet mit Gott, bittet ihn um Sachen, dann wird er sie euch auch
geben. Macht euch mit ihm auf die Suche nach einer Lösung, dann werdet
ihr sie auch finden. Klopft bei Gott an, denn wird er euch auch die Tür
aufmachen. 8 Denn wenn jemand etwas von ihm haben will, bekommt er
es auch. Und wenn jemand etwas bei ihm sucht, wird er es auch finden.
Genauso wird Gott auch demjenigen aufmachen, der an seine Tür klopft. 9 Wenn ein Kind seinen Papa um ein Toastbrot bittet, wird er ihm dann ein Stück Pappe geben? 10 Und wenn ein Kind bunte Smarties haben will, wird er ihm dann Rattengift andrehen? 11
Also wenn selbst Menschen, die oft so fies und brutal sind, ihren
Kindern das Beste geben, was sie haben, dann wird der Papa aus dem
Himmel euch doch erst recht richtig krasse Sachen geben, wenn ihr mal
bei ihm anfragen würdet.“
Urlaubsparadies mit unparadiesischen Zuständen
Die
Werbung der Reiseindustrie trägt ihren Teil zur Überhöhung der
Erwartungen an den Urlaub bei. Interessanterweise bedienen sich der
Werbefachleute biblischer Bilder: Wie oft ist da in den Prospekten vom
Urlaubsparadies die Rede. Die Bibel ist ja da ganz nüchtern. Das
Paradies ist verloren. Wir leben jenseits von Eden. Und selbst
paradiesische Ferienanlagen können uns nicht nachhaltig darüber
hinwegtäuschen, dass es in unserem Herzen teilweise recht
unparadiesisch zu geht.
Schon der Kommunismus scheiterte daran, das
Paradies auf Erden zu erschaffen, weil er nicht die Herzen der Menschen
erreichte. Und weil er vom falschen Menschenbild ausging: Wir sind
nicht von Grund auf gut und deshalb gibt es hier auch keine
paradiesischen Zustände, so sehr wir uns auch anstrengen.
Der
Konsumismus, die moderne Wirtschafts- und Verbraucherreligion wird's
auch nicht schaffen. Diese Erde und ihre Menschen werden das Paradies
nicht zurückerobern. Wer's dennoch versucht, und sei es auf Zeit, wird
seine Erwartungen bitter enttäuscht sehen. Denn auf seinem Weg ins
Paradies nimmt er sich selbst mit. Mit allen Problemen und Beziehungen.
Und da liegt das Problem. Unsere Welt ist nicht das Paradies auf
Erden und muss es auch nicht sein. Christen können hier in einer
anderen Perspektive leben. Sie erwarten die paradiesische Erfüllung
nicht von diesem Leben. Sie rechnen mit der Auferstehung der Toten, dem
ewigen Leben, dem neuen Himmel und der neuen – ganz paradiesischen –
Erde. Welch eine Entlastung! Deshalb:
1. Komm zur Ruhe! Der
Bauplan unserer Seele ist so eingerichtet, dass wir den Ruhetag
brauchen. Es mögen Menschen ohne Urlaub auskommen, und manche müssen es
auch. Aber ohne Ruhetag, kann kein Mensch ein erfülltes Leben führen.
Leib, Seele und Geist brauchen eine regelmäßige Abkühlung, eine
Drehzahlbegrenzung, damit sie fit bleiben. So sind wir konstruiert.
Deshalb: Komm zur Ruhe! Natürlich: Wir können nicht auf Kommando zur
Ruhe kommen. Ein Grund ist, dass wir die Vorarbeit leisten müssen,
Deshalb ein Tipp, den ich mir immer auch selbst zu Herzen nehmen muss:
Das Dringendste noch erledigen und das nicht ganz so Dringende bewusst
liegen lassen!
2. Danke deinem Schöpfer! Urlaub hat etwas
vom Sabbat, vom Ruhetag. Neben Gott sitzen wir im Liegestuhl und
betrachten die Schöpfung. Wir joggen neben ihm her und freuen uns an
unserem Atem und unserer Muskelkraft. Wir steigen auf Berge und
bewundern die Weite und das Blau. Wir danken unserem Schöpfer,
schmecken das Leben und genießen den Vorgeschmack des Paradieses, das
wir – Gott sei Dank – nicht selbst schaffen müssen. Dazu sind wir
Menschen da: Gott zu loben und ihm, unserem Schöpfer zu danken. Auch im
Urlaub und durch den Urlaub. Zu Hause im „Land Balkonien“ und am
Urlaubsort gibt es viele Möglichkeiten und Angebote dazu.
Herzlich grüße ich Euch alle, zugleich im Namen unserer Kirchvorsteher und Mitarbeiter.
Euer Pfarrer Fuß
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