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Monatsspruch Juni 2011

Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein andrer kargt, wo er nicht soll und wird doch ärmer.
(Sprüche 11,24)


"Geiz ist Geil!“ Dieser Werbeslogan einer großen Elektronikhandelskette ist zu einer Mentalität geworden.
„Geiz ist geil“: Sparen, was das Zeug hält. Hauptsache billig.
Natürlich: „Ich habe nichts zu verschenken“ „Muss sehn, wie ich über die Runden komme“ hört man häufig sagen. Nein, Verschwendung ist auch nicht richtig.

Geiz aber gilt in der Katholischen Kirche als Todsünde. Doch das Wort Geiz hat sprachgeschichtlich eine Art Wendung bekommen. In letzter Zeit vermehrt denkt man bei Geiz daran: da gönnt sich jemand nichts, ist zwanghaft sparsam; hält alles Geld zusammen und versagt sich selbst jegliches Vergnügen.
Aber eigentlich meint Geiz: Habgier, Habsucht! Immer mehr haben wollen!
So auch ist diese Todsünde gemeint. Im Sinne von Habgier, Habsucht; immer mehr haben wollen.

Vor einem reichlichen Jahr stand im Magazin „DER SPIEGEL“ ein großer Artikel über die so genannten Todsünden und da war zum Thema Habgier zu lesen: „Habgier ist die salonfähigste Todsünde und dabei eine, die soeben fast die ganze Welt an die Wand gefahren hätte.“ Im Rahmen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Ausgelöst eben dadurch, dass eine ganze Menge Menschen gierig waren, nach immer mehr und dabei das Heil und das Wohl der ganzen Volkswirtschaft aufs Spiel gesetzt haben.

Ist Geiz wirklich geil? Ich meine: Nein. Geizhälse stoßen ab. Wer nichts abgibt, bekommt nichts zurück. Wer ist schon gern mit einem Geizkragen befreundet? Geizige Menschen sind oftmals nicht nur mit ihrem Geld knauserig, sondern auch mit ihrer Zeit und mit ihrer Liebe. Bloß alles für sich behalten: Geiz und Gier sind Partner. Geizkrägen sind egozentrisch, auf sich und ihr eigenes kleines Wohlergehen fixiert. Geiz schließt die Sorge um andere aus, stellt die eigene Person in das Zentrum ihres Interesses und Handelns. Geiz ist also ganz und gar nicht geil. Geiz schreckt, schottet und stößt ab.

Unser Monatsspruch aus Sprüche 11, 24 greift das Thema auf und sieht es von der anderen Seite: Wer nichts gibt, wird ärmer. Wer abgibt, wird reicher. Göttliche Logik! Doch wer es ausprobiert wird merken: Gottes Wort hat recht. Wer abgibt, hat am Ende mehr. Und wer knausert verliert auch das, was er hat.
Wir sind von unserem Schöpfer her also nicht auf uns selbst verwiesen, sondern auf das Du hin angelegt.
Mir wird es nur dann gut gehen, wenn ich auch den anderen sehe. Jeder ist sich selbst der Nächste funktioniert da nicht. Seinen Nächsten lieben wie sich selbst hingegen kann Programm sein für ein erfülltes und glückliches Leben.
„Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein andrer kargt, wo er nicht soll, und wird doch ärmer.“

Geiz ist gottlos. Wer geizt, hat nichts übrig. - Nichts für andere. - Nichts für Liebe. - Und was ohne Liebe ist, ist ohne Gott. - Lieblosigkeit ist gottlos. - Lieblosigkeit macht trostlos.
Reich wird mein Leben dort, wo ich beginne, die Not und die Bedürfnisse des anderen zu sehen und ihnen begegne. Immer mehr haben wir dort, wo Beziehungen uns zu Beschenkten machen. Und so wird es Zeit, auszubrechen aus dem Kreis des großen Selbst, um mich anderen zuzuwenden. Denn: Nur wer sät, kann auch ernten.

Geben statt geizen, spenden statt knausern: Teilen ist angesagt. Wer anderen etwas gibt, ist weltoffen und weitblickend. Die Probleme anderer können uns nicht gleichgültig sein. Sie fallen auch auf uns zurück. Krasse Ungleichheiten zwischen Nord und Süd bedrohen uns alle. Auch wenn wir knapp bei Kasse sind, weniger Geld zum Ausgeben haben, mehr sparen müssen, leben wir hier in Deutschland vergleichsweise im Luxus. Zwei Euro sind für uns nicht viel, für viele Lateinamerikaner sind sie ihr gesamtes Tageseinkommen.

Einen Versuch jedenfalls ist es wert – anderen etwas zu geben, von meiner Zeit, meinem Geld, meiner Aufmerksamkeit. Gott wird schon wissen, warum er mich nicht allein durchs Leben stolpern lassen wollte. Und ganz ehrlich: Ich mag lieber zu denen gehören, die geben und dadurch beschenkt werden als zu denen, die geizig und knauserig sind und schließlich doch alles verlieren. Bleibt die Frage: Wem kann ich heute etwas Gutes tun?
In diesem Sinne herzliche Grüße an Euch alle, auch im Namen unserer Kirchvorsteher und Mitarbeiter

                        Euer Pfarrer Fuß


 ©  Kirchgemeinde Lauterbach im Erzgebirge

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