Gottesdienst - „Gottgibt“
Weshalb
gehst Du zum Gottesdienst oder eben nicht? Weil Dir das Programm
gefällt oder bleibst zu Hause, weils dir nicht gefällt? Oder du
möchtest einige deiner Freunde treffen und ein bisschen mit ihnen
zusammen sein? Oder Du bist derart runter und fix und fertig, dass Du
hingegangen bist, um dir wieder einen neuen "Kick" für die kommende
Woche zu holen. Ich weiß, das klingt sehr stark nach Drogensucht und ist dem auch vermutlich sehr ähnlich. Oder
einfach ausgedrückt: Du bist gekommen, um Dich auf die eine oder andere
Weise bedienen zu lassen, sei es nun von den Mitarbeitern oder - etwas
geistlicher ausgedrückt - von Gott selbst dienen zu lassen. Er ist der
Servierboy und wir lassen uns bedienen. Dass es dann auch am Service
immer etwas auszusetzen und zu nörgeln gibt, ist nun mal auf der ganzen
Welt so üblich.
Sicher merkt Ihr worum es mir in dieser krassen Überzeichnung geht. Leider entsprechen die Vorstellungen über den Gottesdienst oft eher der eben ausgeführten Schilderung als etwas anderem. Nicht Gott steht im Zentrum, sondern wir selbst - unser Empfinden, unsere Gefühle, unser Wohlergehen oder eben auch unsere Anliegen und Nöte.
Was ist falsch gelaufen? Um diese Frage zu beantworten, müssen
wir zurück in die Bibel zu den ersten Gottesdiensten:
»Es
waren auch einige Frauen dabei, darunter Maria, die Mutter von Jesus,
und außerdem seine Brüder. Sie waren einmütig beieinander und beteten
beharrlich miteinander. An einem dieser Tage hatten sich etwa 120
Personen versammelt « (Apostelgeschichte 1,14.15) »Sie
hielten beharrlich an der Lehre der Apostel fest, an der
geschwisterlichen Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den
gemeinsamen Gebeten. Tag für Tag kamen sie einmütig im Tempel zusammen,
und in ihren Häusern brachen sie das Brot und trafen sich mit jubelnder
Freude und redlichem Herzen zu gemeinsamen Mahlzeiten. Sie lobten Gott
und waren im ganzen Volk angesehen. Täglich fügte der Herr solche, die gerettet wurden, ihrer Gemeinschaft hinzu.« (Apostelgeschichte 2,42.46-3,1) »Die Gläubigen waren eines Sinnes und trafen sich regelmäßig in der Säulenhalle, die man Salomohalle nannte.« (Apostelgeschichte 5,12b)
In der Apostelgeschichte fallen im Blick auf die Gottesdienste der ersten Gemeinde zwei Dinge spontan auf: Einmütigkeit
und Gebet! Der Sinn und Inhalt der Gottesdienste der ersten Christen
war es also, zusammenzukommen, um miteinander in Einmütigkeit Gott zu
loben (Römer 15,6) und zu beten. Die
Predigt und Belehrung sowie andere Aspekte waren offensichtlich nicht
unwichtig, aber für den Gottesdienst selbst nebensächlich! Und
augenscheinlich haben sie diejenigen gezählt, die zum Gebet
zusammengekommen sind. Das wirft für uns heute einige beängstigende Fragen auf.
Was ist uns heute wichtig im Blick auf den Gottesdienst? Welchen Stellenwert geben wir der Einmütigkeit und dem Gebet?
Interessant
ist, dass nachdem die Einmütigkeit der ersten Christen in
Apostelgeschichte 6 durch das Murren innerhalb der Gemeinde beendet
wurde, auch das Ausmaß der Massenbekehrungen, Wunder und Heilungen
beeinträchtigt wurde! Im Zusammenhang mit der Einmütigkeit lesen
wir noch in Kapitel 5, dass alle Kranken geheilt wurden, nachher hören
wir nur noch von einzelnen Heilungen und Wundern! Nur in der
Erweckung in Samaria in Kapitel 8 ereigneten sich wieder ähnliche
Zustände, aber auch wieder im Zusammenhang mit der Einmütigkeit der
Zuhörer (V.6). Es liegt
ganz bestimmt nicht an Gott, wenn Seine Macht unter uns wirkungslos
bleibt, sondern vielmehr an unserer Entscheidung und Bereitschaft,
einmütig oder eines Sinnes sein zu wollen.
»Gilt
bei euch so etwas wie eine Ermutigung, Christus zu folgen? Gilt ein
tröstender Zuspruch, der aus der Liebe kommt; eine Gemeinschaft durch
den Heiligen Geist, ein herzliches Erbarmen? Dann macht doch meine
Freude vollkommen, indem ihr in derselben Einstellung und Liebe von
ganzem Herzen zusammensteht und nichts aus Streitsucht oder Ehrgeiz
tut! Seid vielmehr bescheiden und achtet andere höher als euch selbst!
Denkt nicht nur an euer eigenes Wohl, sondern auch an das der anderen!
Eure Einstellung soll der von Jesus Christus gleichen« (Philipper 2,1-5)
Warum ist es so schwierig Leute für gemeinsame Gebet und Gottesdienst zu begeistern? Auch
am Lobpreis und der Anbetung, die ja Formen des Gebets sind, stoßen
sich zuweilen manche. Denn Gebet hat eben etwas mit geben zu tun, und
das wird zugegebenermaßen schwierig, wenn man mit der Absicht gekommen
ist, sich bedienen zu lassen!
»Jesus sagte seinen Jüngern auch ein Gleichnis dafür, dass sie allezeit beten und nicht nachlässig werden sollten.« (Lukas 18,1)
»Wie ist es nun, ihr Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder von euch etwas!« (1.Korinther 14,26a) Wenn
wir uns alle wieder in Einmütigkeit zum Gebet versammeln und das Gebet
die Hauptsache unseres Gemeindelebens ist, dann braucht es keine
Spezialisten oder besonders Begabte. Dann findet keine Veranstaltung
mit einem gut vorbereiteten und eingeübten Unterhaltungsprogramm statt!
Denn dann kommen wir zusammen, um Gott und einander zu dienen und
nicht, uns bedienen zu lassen. Dann wird der Lobpreis und die Anbetung
zu einem großartigen Erlebnis und werden sich Dankgebete mit Fürbitten
und Jubel vermischen zu einem gewaltigen Gebet, dass vor den Thron
Gottes dringt!
Ihr Lieben, davon träume ich - und ich bin mir
sicher, dass es eigentlich einer der Träume Gottes ist, an dem er mich
teilhaben lässt.
Euer Pfarrer Bernhard Fuß
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