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Vom Heiligen Abendmahl
Ein Kirchenfremder kommt in einen christlichen Gottesdienst und
schüttelt verwundert den Kopf: „Was machen die denn da? Erst baden sie
ein Kind und dann teilt der Pfarrer ein karges Frühstück aus!“ |
Ja, was haben diese Christen da in ihrem Gottesdienst gemacht? Wir kennen die Antwort:
Sie
haben die beiden Sakramente gefeiert, die der Herr Jesus Christus
seiner Kirche geschenkt hat: Taufe und Abendmahl. Denn neben seinem
Wort, das wir hören können, wollte Jesus uns etwas geben, das wir
sehen, „begreifen“ und sogar essen und trinken können. Deswegen nannte
man seit alters die Sakramente auch „verbum visibile“, zu deutsch
„Sichtbares Wort“.
Und das bedeuten die beiden Sakramente: in der
Taufe schließt Gott mit mir seinen Bund, noch ehe ich denken und ihn
darum bitten kann.
Und im Abendmahl erneuert er diesen Bund, nimmt
mich als sein Kind wieder an, nimmt mich wieder auf seinen Schoß. Dies
ist das wunderbare Geschenk der Sakramente.
An dieser Stelle wollen wir uns nun ein wenig mit dem Heiligen Abendmahl befassen und fragen zuerst:
Abendmahl – was ist das?Äußerlich
gesehen ein sehr belangloser Vorgang: Der ordinierte Amtsträger der
Kirche teilt an die Gemeindeglieder eine Oblate, die wir Hostie nennen,
aus und dazu einen Schluck Wein. Doch das ist eben nicht alles. Luther
schreibt dazu im Kleinen Katechismus: „Es ist der wahre Leib und Blut
unseres Herrn Jesus Christus, unter dem Brot und Wein uns Christen zu
essen und zu trinken von Christus selbst eingesetzt“. Und im Augsburger
Bekenntnis unserer lutherischen Kirche heißt es im 10. Artikel: „So
wird gelehrt, dass der wahre Leib und das wahre Blut Christi wirklich
unter der Gestalt des Brotes und Weines im Abendmahl gegenwärtig ist
und dort ausgeteilt und empfangen wird“. Es ist also nicht einfach bloß
Brot und Wein, was wir im Abendmahl empfangen, sondern wahrer Leib und
wahres Blut des Herrn Jesus Christus. Doch wie soll man sich das nur
vorstellen?
In 1. Korinther 10, 16 schreibt der Apostel Paulus
dazu: „Das Abendmahlsbrot ist (nach der Segnung) mit dem Leib Christi
verbunden und der Abendmahlswein ist mit dem Blut Jesu
verbunden“. So also empfangen wir Beides: Brot und zugleich den
unsichtbaren Auferstehungsleib Christi und Wein und zugleich das
unsichtbare Blut des Herrn. – Hier liegen auch die ernsten Unterschiede
zu unseren katholischen und reformierten Glaubensgeschwistern: in der
katholischen Kirche wird gelehrt: das Brot „verwandelt“ sich in den
Leib Christi und der Wein „verwandelt“ sich in das Blut Christi,
ist nach der Segnung also nicht mehr Brot und Wein, sondern nur noch
Leib und Blut.
Die Reformierten dagegen lehren: Brot bleibt im
Abendmahl Brot und Wein bleibt Wein, beide sind nur Zeichen und deuten
auf Christus hin, der im Himmel zur Rechten Gottes sitzt und mit dem
wir uns verbunden fühlen sollen. Er ist also im Abendmahl nach
reformierter Auffassung nicht wirklich da! Jesus Christus aber hat doch
bei der Einsetzung des Abendmahls ganz klar gesagt: Dieses Brot „ist“
mein Leib und dieser Wein „ist“ mein Blut! Diese Verbindung von Brot
und Leib und Wein und Blut ist und bleibt ein göttliches Geheimnis, so
wie z. B. auch die Verbindung von „wahrer Gott“ und „wahrer Mensch“ in
Jesus von Nazareth ein unbegreifliches Geheimnis bleibt.
Zusammengefasst: im Abendmahl ist Jesus Christus, der Auferstandene und Lebendige, unter Brot und Wein leibhaftig gegenwärtig!
Abendmahl – was bringt das?Unser
Reformator Martin Luther schreibt dazu im Kleinen Katechismus: „Für
euch gegeben und vergossen zur Vergebung der Sünden“. Da freilich muss
man sich überlegen, was eigentlich „Sünde“ ist. Wer weiß denn das heute
noch? Meist denken wir dabei doch nur an die vielen „kleinen Sünden“,
die doch jeder tut und über die man eigentlich nur lächelt. Nein,
derentwegen hat Gott seinen Sohn nicht am Kreuz sterben lassen. Die
Bibel zeigt uns vielmehr: Sünde ist die „Absonderung“ des Menschen von
Gott. Das Wort „Sünde“ kommt vom Tätigkeitswort „sondern“, „absondern“.
Wir haben uns von Gott abgesondert und wollen eigene Wege gehen. Denkt
Ihr dabei nicht unwillkürlich an den „verlorenen Sohn“, der vom Vater
weglief? Und wohin geriet er? Ins Elend und Verderben! Das ist unsere
Sünde: fern von Gott. Und das bedeutet Tod! „Denn der Tod ist die
Bezahlung für unsere Sünde“ schreibt Paulus. Und genau da schenkt
Christus uns das Heilige Abendmahl: ER kommt leibhaftig zu mir, noch
greifbarer als in seinem Wort! Wenn er aber zu mir kommt, dann bin ich
ja ganz bei ihm. Da ist die Absonderung aufgehoben, nicht weil ich
zurückgekommen bin, sondern weil er in seiner Liebe zu mir gekommen
ist. Das ist „Vergebung der Sünde“! Und Luther schreibt weiter: „Wo
Vergebung der Sünde ist, da ist Leben und Seligkeit“. Dies hat
zuvor Jesus selber schon gesagt: „Wer mein Fleisch isst und trinkt mein
Blut, der hat das ewige Leben und werde ihn auferwecken am Jüngsten
Tag“ (Johannes 6, 54). Wohlgemerkt: Jesus sagt „der hat...“. Das ist
Gegenwart, nicht irgendwelche wage Zukunft. So ist der Abendmahlstisch
die „Pforte des Himmels“, so beginnt im Abendmahl immer wieder neu das
ewige Leben! Dazu sagt mein Glaube dankbar Ja.
Abendmahl – wer braucht das?Wer
braucht denn eigentlich Brot, tägliches Brot? Die Antwort ist sehr
einfach, sie kennt jedes Kind: Brot braucht, wer Hunger hat, wer leben
will! Wir hatten eben gesehen: Sünde bringt und ist Tod! Das Abendmahl
aber bedeutet Leben! Wer also braucht das Abendmahl? Jeder Sünder,
jeder der von Gott weggelaufen ist, sich von Gott abgesondert hat. Nun
sagt Jesus im Johannesevangelium Kapitel 6: „Ich bin das Brot des
Lebens!“ Wohlgemerkt, er sagt nicht: ich bin die Torte oder die
Schokolade des Lebens. Torte und Schokolade sind gute Sachen, die das
Leben sehr verschönern können. Aber lebensnotwendig sind sie nicht!
Nach dem Krieg gab es so was nicht, aber die Menschen lebten trotzdem.
Aber Brot, Essen braucht der Mensch täglich, sonst wird er bald
sterben. So sahen es auch die 1. Christen schon: in der
Apostelgeschichte Kap. 2 wird von ihnen berichtet: „Sie blieben aber
beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im
Brotbrechen und im Gebet“. Wobei wir unter „Brotbrechen“ getrost das
tägliche Abendmahl verstehen dürfen. Wenn sie es damals täglich
feierten, ist dann zu viel, wenn wir sonntäglich eingeladen werden? Der
Herr hat in den Einsetzungsworten des Abendmahls gesagt: „...so oft
ihrs esst und trinkt...“. Auch Luther verstand es so: OFT! Es sollte
eigentlich kein von einem Pfarrer gehaltener Gottesdienst ohne
Abendmahl gefeiert werden. Und Du bist eingeladen!
Abendmahl – wie feiert man das?Jesus
erzählt im Neuen Testament das Gleichnis vom Großen Abendmahl. Man kann
es lesen bei Matthäus 22, 1-14 und Lukas 14, 15-24. Hier geht es um
eine Hochzeit. Das ist aber immer ein sehr fröhliches Fest, auf dessen
Teilnahme man sich freut und an dem gelacht und gesungen wird. Und
genau dazu bist Du eingeladen! Ich erinnere mich an meine Kindheit und
Jugend, damals war das Abendmahl eine sehr seltene und sehr ernste
Feier. Ein Professor sagte einmal: Wenn die Leute zum Abendmahl gehen,
sehen ihre Gesichter aus, als hätten sie 3 Tage in Essig gelegen!
Freilich haben wir oben gesehen: das Abendmahl hat mit meiner Sünde zu
tun. Wenn ich ohne Sünde wäre, hätte Christus nicht zu kommen, nicht zu
sterben und nicht zum Abendmahl rufen brauchen. Aber nun lädt er mich
Sünder zum Abendmahl ein, kommt zu mir, sodass ich eins werden darf mit
ihm. Das ist Vergebung der Sünde, das ist das neue Kleid, von dem wir
bei Matthäus (Kap. 22, 12) lesen. Ich brauche nur kommen und mich
beschenken lassen. Das ist Grund zu unendlicher Freude. So ist das
Heilige Abendmahl ein frohes Fest! – Eins freilich muss auch ganz klar
sein: wenn ich die Einladung des Herrn ablehne, muss ich
selbstverständlich die Folgen tragen. Im Lukasevangelium benennt sie
der Herr im 24. Vers (Kap. 14). Und noch drastischer sagt er es bei
Matthäus (Kap. 22, Vers 13). Aber soweit darf und muss es bei Dir doch
nicht kommen. Die Einladung liegt vor, der Tisch ist gedeckt.
Also komm, es ist alles bereit!
Pfr. i. R. Schleinitz, Börnichen
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